fliegen/gehen/schwimmen Von Johannes Schrettle

Früher Morgen, die Betriebsamkeit einer Bahnhofshalle. Swayze erwacht mit einem schlechten Geschmack im Mund. Den wird er nicht los, und schuld daran ist die Globalisierung. Helga liegt neben ihm und träumt von einem abgeschlossenen Psychologiestudium und einem Leben auf dem Land. Ihre ständige Begleiterin ist eine Ratte mit Namen Freiheit. Schnitt: Holger, ein Polizist Mitte dreissig, sucht Kontakt zur etwas älteren Anke und redet dabei vor allem von sich. Es entstehen peinliche Gesprächspausen, welche die arbeitslose Psychologin auch nicht zu überbrücken weiss.

Zwischen den vier Figuren entwickelt sich ein Geflecht von unverbindlichen Momenten des Begehrens und brüchigen und ungefähren Vorstellungen einer möglichen Zukunft. „Ja, wir werden irgendwann mal so was wie eine Vergangenheit miteinander aufbauen, das spür ich so stark,“ sagt Helga zu Holger. Später fliegt sie mit ihm in einem Helikopter über die Steiermark. Die kleine Flucht dauert eine Flugstunde lang. Derweil kümmert sich Anke um Swayze – nicht ganz ohne Eigennutz.

Johannes Schrettle porträtiert in „fliegen / gehen / schwimmen“ eine Generation, die sich nach politischer Verbindlichkeit und Wirksamkeit sehnt, deren Politisierung und gesellschaftlicher Gestaltungswille jedoch im Unkonkreten und Flüchtigen verpufft: „Oder rausfahren. Wir könnten auch rausfahren irgendwohin, wo ein Bürgerkrieg oder eine Globalisierungsdemo oder so ist?“ Formulierungen dieser Art zeugen nicht nur von einer politischen Orientierungslosigkeit der Figuren. Sie sind auch das defensive und scheinbar gleichgültige Sprachmuster, in welche ihre tastenden Beziehungs- und Lebensversuche gefasst sind. Über den Status Quo ihrer krisenhaften Existenz kommen sie im Laufe der Handlung kaum hinaus. Ratlos sehnen sie sich nach gesellschaftlicher Verortung und finden kaum ein Mittel, ihre lähmende Antriebslosigkeit zu überwinden.

In schnellen Schnitten und kurzen prägnanten Szenen erzählt der Autor diese Geschichte fast skizzenhaft und schildert das pseudopolitische Milieu um Swayze und Helga selbstironisch und in zuweilen sehr komischen Dialogen und Situationen.

PREMIERE IN BERN AM 30. AUGUST
IM TOJO THEATER

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